„Schatzi“, sagt mein Liebster, „du riechst wie ein tibetanisches Wanderpuff!“ Meine formschönen Ohren haben sich wohl verhört. Woher weiß mein Liebster, wie es in einem tibetanischen Wanderpuff riecht, wo er noch nie in Tibet war? Er schlägt die Bettdecke zurück und erklärt: „Sei mir nicht böse, aber du stinkst.“ Ich bin aber böse. Ich bin eine Vanillestaude und böse. Wie ging noch mal die Adresse für Scheidung per Mausclick? Er schnuppert meinen Duftwölkchen hinterher und niest zweimal. „Sorry“, schüttelt er den Kopf, „dein Parfüm ist nicht zum Aushalten.“ Keine Scheidung. Ich würde gleich die 5-Punkte-Akupressur-Herzexplosionstechnik bei ihm ausprobieren. Schließlich hatte ich die Szene bei Kill Bill, in der Uma ihren Lover so smart zur Strecke bringt, im Standbild genau studiert. Weiterlesen »
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Carlos ist mein bester Freund. Nicht nur, weil er aussieht wie Steve McQueen, sondern weil er große Dinge gelassen ausspricht. Neulich gab er mir eine DVD mit den Worten: „Schau dir den mal an. Ein Porno. Für Frauen!“ Aha. Wie war das zu verstehen? Eine Stunde Vorspiel und kurz vor dem Orgasmus schreit das Kind im Nebenzimmer? Sofort spürte ich den Actimel-Effekt: meine Abwehrkräfte waren gestärkt. Denn Pornos – die fand ich einfach zum Speiben langweilig. „Danke, super!“, sagte ich trotzdem, weil ich zu feig war abzulehnen. Weiterlesen »
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Sexspiele sind Spiele für Fortgeschrittene. Die einzigen Regeln: erzähl mir deine geheimsten Wünsche. Lass uns auf den Abgrund zugehen. Und einen Schritt darüber hinaus. Lernen wir fliegen. Oder stürzen wir gemeinsam ab. Das einzige Spiel, bei dem es zwei Sieger gibt – wenn man richtig spielt.
Ganz viel früher war Sex so einfach. Ich Tarzan, du Jane hieß es in Prä-Enthaarungszeiten. Jeder wusste, wo die Sache enden würde. Hinter dem nächsten Busch. Der verlor ein paar Blätter, die Beteiligten kein Wort. Zack. Fertig. Gespielt wurde überleben, aber sicher nicht beim Sex. Weiterlesen »
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Ab einem gewissen Alter verlieren Supermärkte ihren Zauber, irgendwann ist einkaufen nicht mehr das, was es einmal war. Wo sind sie hin, die Zeiten als man sich beim Erwerb einer Leberkässemmel, einem Mars und Latella Mango wie Kolumbus gefühlt hat? Als der Aufdruck AMA-Gütesiegel, Bio und kalorienreduziert keinen Wiedererkennungswert im Sprachschatz hatten? Oh schönes, buntes Konsumvergnügen – vorbei, futsch, perdü. Bei Latella krieg man mittlerweile Magendrücken und Mars macht nur mehr die Waage mobil. Zu Leberkäse fällt einem vernünftigen Menschen sowieso nichts ein. Das ist traurig. Weiterlesen »
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Newsletter-Abos haben Vor- und Nachteile. Der Vorteil: man kriegt Post, wer Post bekommt ist wichtig und kann bei Kollegen-Gesprächen am Kaffeeautomaten auf verdammt smarte Art socialisen. “Mein email-account”, jammert Kollegin Z., “ich sag’s euch, der explodiert jeden Tag”, Und meiner erst, und meiner erst, schallt es in der Runde wie beim Andachtsjodler am Vierwaldstättersee.
Begleitet von ein paar peppigen 6/8-Bewegungen im Cappuccino rollt man dekorativ mit den Augen und seufzt: “Was soll ich erst sagen Kinder, ich komm’ ja vor lauter Emailchecken gar nicht mehr zum Arbeiten.” (Und ich erst, und ich erst).
Das freilich ist eine glatte Lüge. Ich komme deshalb nicht mehr zum Arbeiten, weil ich mich so ärgere.
Und das führt mich zum Nachteil der Newsletter. Die, die mich ärgern, beginnen oft mit einer Frage. Und diese Fragen stellen schlimme Dinge mit mir an. Sie bringen meinen Säure-Basen-Haushalt durcheinander und ich will gar nicht wissen, was ich bei Vollmond alles mache. Das ist für niemanden in meiner Umgebung günstig (zumindest behauptet meine Umgebung das). Weiterlesen »
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Meine Kinder und ich, wir pflegen ein feines Ritual. Wenn der Abend zu gähnen beginnt, sitzen wir à la Pow-how im Kreis, hübsch Knie an Knie, und jeder erzählt, was an diesem speziellen Tag cool und was nicht cool war – eine Art Philosophicum auf der Suche nach dem Gott der kleinen Dinge.
“ICHICHICH darf anfangen” kreischt David, als wäre er auf einen Reissnagel getreten, und das darf er auch, denn einem vierjährigen Nesthäkchen mit Sternzeichen Löwe in den wee small hours des Tages etwas abzuschlagen, heißt Abschied nehmen vom Wegdriften in pastellfarbene Gedanken-Seifenblasen und sinkendem Blutdruck, der der herannahenden Alphaphase die Steigleiter macht. Also bitte. Weiterlesen »
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Bügeln sie manchmal nackt? Überraschen Sie Ihren Liebsten hin und wieder mit spontanen Städtetrips? Verwandeln Sie Ihr Bad ab und zu in eine Wellness-Oase? Machen Sie überhaupt irgendetwas, was Ihnen Zeitschriften ans Herz legen, um ein bisschen Pepp in Ihr Leben zu bringen?
Ich versuche das ständig, it’s beyond my control. Kaum lese ich von einer neuen Beauty-Methode für die eigenen vier Wände, denke ich: Ha – das kann ich mit links! Tralala, Handbremse, wo bist du, die Neuordnung meiner Moleküle ist endlich nicht mehr fern.
Natürlich lasse ich sofort alles liegen und stehen und stürme wie Jeanne d’Arc ins Badezimmer, um beispielsweise exotischen Obstsorten Gewalt anzutun und Masken aus ihnen zu fabrizieren. Mit Papaya-Mus im Gesicht knacke ich ein paar Koans, ignoriere das höllische Brennen und warte auf die babyzarte Haut, die jede Frau verdient. Die Haut wird niemals babyzart. Und nie lerne ich etwas aus diesen Versuchen.
Meine schlimmste Niederlage ist das Vollbad. Als die guten Feen über meiner Wiege standen und ihr Füllhorn ausschütteten, war die nicht unwichtige Eigenschaft “Kann sich beim Baden total entspannen” leider nicht dabei. Weiterlesen »
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Eltern geben uns, neben der unschätzbaren Möglichkeit den Berufsstand des Psychotherapeuten vor der Bedeutungslosigkeit zu bewahren, viele gute Ratschläge für das Leben mit: Bier auf Wein, das lasse sein; fummel nicht an Pickeln herum; bei Rot, da steh… – und nimm niemals, niemals etwas von fremden Menschen.
Während man die ersten drei Regeln irgendwo im Frontallappen abspeichert, wo sie unbenützt vor sich hindümpeln und auf einen Eintrag im Lexikon der Irrtümer warten, funktioniert die letzte als wäre man einer von Pawlow’s Laborhunden.
So und nicht anders kann ich es mir erklären, dass mich regelrechte Panik überfällt, wenn sich auf der Straße schwankende Gestalten mit Zetteln in der Hand nähern. Weiterlesen »
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