Musik mal anders…

{ July 22nd, 2010 }

Im Zweifelsfall bin ich für das sowohl als auch. Als mein Liebster einen goldigen Minilaptop im coolen Apple-Design über den Küchentisch schiebt und sagt: „ Süße, das ist Bumsen 2.0“, bin ich erst mal prophylaktisch erregt. Man weiß ja nie. Wir haben zwar schon drei Laptops, aber die sind ja heute Grundnahrungsmittel – also her damit!


„Aber Schatzi“, sagt mein Augenstern und klappt die viereckige weiße Hülle auf, „das ist doch kein Computer, sondern…“ Kreisch! Ein Teigroller von Jamie Oliver!“ rufe ich entsetzt angesichts des lila Gummi-Stabes. Meine Haut dürfte die Alabasterfarbe von Schneewittchen im Sarg angenommen haben, denn mein Hasi beruhigt mich: „Das ist ein ganz besonderer Dildo… schau, hier kommt die Maus,“ sagt er und wedelt mit einem kleinen Dingsbums, „dieses Teil steckt man an den Ipod und das alles überträgt dann die Bässe der Musik auf den Stab.“

Aha. Und mein kleines Becken singt dann We will fuck you? „So ähnlich“, sagt er. „Is’ das nicht super? Unsere Lieblingsmusik hören und die Vibes totaaaaal spüren?! Das ist mal ein Sex-Update, legen wir los!“ Bumsen 2.0. Verstehe. „Ich will mich ja nicht als Dramaqueen aufspielen“, sage ich, „aber dein Update schafft es leider nicht über unsere hausgemachte Firewall.“ Hm, meint er, die Kids, die hab ich doch glatt vergessen. Der Glückliche. „Ich bestelle Kinokarten für Krieg und Frieden. Directors Cut!“ ruft er wie weiland Wickie von den starken Männern. Aber weil die Karten für sämtliche Vorstellungen in Wien und Umgebung ausverkauft sind, muss die Praxis halt warten und so bastelt mein Liebster den ganzen Nachmittag über an unserer sexy Playlist für den Abend. Nicht einmal in World of Warcraft steigt er ein. Schon allein das weckt erotische Gefühle in mir.

Als ich gegen fünf Uhr auf den Knien den edlen Eichenholzboden schrubbend vorbeischatte, spielt er grad Led Zeppelin. „Nein, oder?“ sage ich. „Wieso? Dann halt Screaming Jay Hawkings! Der hat auch super Bässe,“ Ich sage: U2!“ Er sagt: White Stripes? Ich sage: „Papermoon?“ Er sagt: „Finnische Schreichöre!“ Ich sage: „Warum nicht gleich Dr. Doolittle und seine Tiere? Da gibt’s wenigstens eine geile Stelle wo er das Tierchen Stoß-mich-Zieh-dich findet und nicht nur brutales Herumgeschreie! Das turnt mich ungefähr so an wie ein steigender Zinssatz!“ Er sagt: „Captain?“ Ich sage: What d’you want???

Werfe ich halt ein paar Runen. Ob meine vier Kinder heute alle ganz früh einschlafen, nicht schlafwandeln, und ihr Magen-Darmsystem einwandfrei funktioniert. Die Runen sagen: sowohl als auch. In mein Mama-Kostüm schlüpfen fällt mir schwer, zugegeben, und die Zeit vergeht gar nicht. So muss die Chinesische Wassertropfenfolter sein. Mit dem Kopf im Backrohr rezitiere ich schluchzend den Monolog aus Heinrich V.: „We few, we happy few! We band of brothers!“
Aber die Runen lügen nie und irgendwann senkt sich Ruhe und Frieden über unsere heiligen Hallen. Wir eilen auf Testosteron-Wolken in das von den Kinderzimmern am weitesten entfernte Gemach unseres stattlichen Palais.

Ausziehen, befiehlt mein Gebieter. Und dann erklingt ein zarter Gitarrenriff. Metallica? Ja. Aber das wunderschöne langsame Nothing else matters zittert sich durch alle meine Chakren und wir tänzeln wie Fred Astaire und Ginger Rogers in Richtung Spielwiese. Na gut, vielleicht doch eher wie die Schöne und das Biest, aber wir tanzen! Kurz halt. Den Rest schaffen wir einfach nicht mehr im Stehen, begnadete Körper – das war einmal. Egal. Irgendwann schweigt der Ipod sowieso. Und wir singen unsere eigene kleine Ode vom Glück der Erschöpfung, in der lingua franca des Sex: seufzen, säuseln und stöhnen. Bumsen 2.0 ist ein Upgrade, keine Frage. Aber die analoge Variante ist einfach unschlagbar.

Diese Kolumne wurde exklusiv für Magnolias geschrieben

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Kategorie: Allgemeines ~ ~ Trackback

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