Besserer, intensiverer Sex – das kann nie schaden…
{ February 22nd, 2010 }
Neulich steh ich vor einem Schaufenster und denk mir: mein Gott, was bin ich schön! Eine Traumfrau von A bis Z: gestählt und durchtrainiert, mit Vitamin D, Fischöl und Schüssler Salzen abgefüllt bis zum Anschlag, wahrlich makellos an Haut und Haar! Moment – ganz makellos? Nein!
Eine kleine Stelle in meinem Körper leistet erbitterten Widerstand dagegen: mein Beckenboden. Untrainiert und dem Sexleben wenig förderlich, hängt er da in mir rum und macht Dienst nach Vorschrift. Wie konnte ich das nur übersehen! Denn: wo befinden sich die meisten Lustnerven? Wer ist für multiple Orgasmen zuständig? Was lässt ihn beim Sex um Gnade flehen? Brauch ich einen Publikumsjoker? Nein! Es ist mein Trampolin der Lust, mein Beckenboden, tataa! Wenn er denn mal in perfect shape wäre.
Im Schaufenster der Apotheke meines Vertrauens liegt die Lösung: Was dem Bizeps die Hanteln und dem Schlussverkauf die Kreditkarten, sind dem Beckenboden die Liebeskugeln. Gedacht – gekauft. Mein Liebster kriegt eine Sms. Er soll sich auch auf die sextechnischen Wunder freuen, die da auf uns beide warten. Auf dem Beipack-Zettelchen steht: Sie können unbemerkt am Schreibtisch, im Bus oder in der Warteschlange an der Supermarktkasse üben.
Und ich übe. Im Bus, in der Warteschlange beim Billa und im Büro. Ob unbemerkt, sei dahingestellt. Was meinen entrückten Gesichtsausdruck verursacht, weiß andererseits sowieso niemand. Blöd nur, dass der Beipack-Zettel keine FAQ liefert. Noch blöder, dass ich nach zwei Tagen olympiareifem Intensiv-Training nicht nur die FAQs sondern auch die Antworten kenne.
Zum Beispiel.
Frage:„Liebeskugeln soll man bei einer Tätigkeit, in Bewegung tragen, damit das Kugellager schön herumwuseln und der Muskel kontrahieren kann. Ist man vielleicht dauergeil?“ Antwort: „Nur, wenn man schon vorher durch Staubsaugen, Wäsche-aufhängen oder mit dem Hund Gassi-gehen zum Orgasmus kommt.“
Frage: „Spielt die Kugel-Größe eine Rolle?“
Antwort: „Wenn Kollegen und Familie Ihnen zu einer gelungenen R2D2-Imitation gratulieren sind die Kugeln zu groß.“
Frage: „Haben klingelnde Liebeskugeln irgendeinen Reiz?“
Antwort: „Nur, wenn Sie eine unsympathische Bürokollegin in den Wahnsinn treiben wollen und glaubhaft versichern können, dass Sie keine Ahnung haben, woher das leise Klingeln kommt.“
Die aller-allerwichtigste Frage lautet aber: „Kann man Liebeskugeln auch länger als die empfohlenen zwanzig Minuten tragen?“ Antwort: „Man kann. Aber man sollte nicht. Außer Sie wollen wissen, wie sich ein Muskelkater an einer Stelle anfühlt, an der man noch nie einen hatte.“ Ich weiß es: man hat das Gefühl, es haut einem den Kuckuck raus. Wie der Glöckner von Notre-Dame schleiche ich eine Woche lang durch die Gegend und huste nur „Hexenschuss!“, wenn jemand nachfragt.
Schade, aber schnell geht mit dem Beckenboden offenbar gar nix. Bis ich mein - ähem – Hexenschuss weg ist, muss ich mit den Liebeskugeln eben anders trainieren: ich lasse sie wie Yin-Yang-Kugeln in der Handfläche rotieren. Fingerfertigkeit, habe ich mir sagen lassen, hat auch noch nie geschadet…
Dieser Text erschien in der monatlichen Kolumne von Petra Hauk in dem Magazin Wienerin.
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