Streiten und S..?
{ March 30th, 2009 }
Es gibt viele Sachen, die ich nicht so doll kann. Aber genau drei beherrsche ich wirklich ganz schlecht: Allround-Fernbedienungen, einen Haufen unter 6-jährige bei einer Geburtstagsparty und die Kunst des Streitens. Als die gute Fee ihre holden Gaben über meinem Bettchen ausgestreut hat, war „Kann-total-fair-streiten“ eindeutig nicht dabei. Wie der Ätna mit Stoppel stapfe ich im Fall des Streitfalles durch die Wohnung. Sage ich klar, was Sache ist? Nicht ums Verrecken. Ja. Kleinkindniveau. Was weiß ich, warum. Ich schäme mich eh. Ein aktuelles Beispiel: Weihnachten. Das ganze Trari-Trara ist meinem Hasi komplett powidl. Darf ja sein. Aber als Patchworkfamilie müssen wir fünf Kids koordinieren, ich mag das nicht allein machen. Der Liebste schaltet auf stur und will noch schnell (schnell, ha!) World of Warcraft spielen, wo, halleluja, endlich die Erweiterung da ist. Und weil mich das enorm ärgert, kann es passieren, dass ich so bescheuerte Sachen sage wie: „Schatzi, auf der hohen Warte haben heute die Seismographen ausgeschlagen!“ „Echt?“ fragt er und schaut interessiert vom Bildschirm hoch. „Ja, weil ich so laut GELACHT hab! Im Radio haben sie nämlich erzählt, dass bei den Nacktmullen die Männchen NON-WORKER heißen!“ „Ist irgendwas?“ „Neeeeein, gar nix!“ „Was sind überhaupt Nacktmulle?“ „Vergiss es, spiel nur weiter!“ Und natürlich spielt er weiter, was soll er auch machen, wenn ich’s ihm schon sage, und ich? Ich werfe mit allen Türen und hab den ph-Wert von Batteriesäure.
Nach einer Stunde Kampfschmollen ist der Liebste endlich bereit die Sache auszudiskutieren – glaube ich, denn er sagt: „Komm schon Süße, wir finden eine Lösung…“, aber anstatt weiterzureden schiebt er seine Hand in meine Hose, knetet an meiner Pobacke herum – was ich zugegeben normalerweise überdurchschnittlich angenehm finde – und will ganz offensichtlich auch andere Regionen erkunden und das bringt mich gleich noch viel mehr auf die Palme. Und deshalb fasse ich ihn am Hemd, um etwas Liebevolles wie „sag mal, spinnst du!“ zu fauchen, aber die Hemd-Knöpfe – keine Qualität mehr heutzutage – springen, plingpling, einfach weg. Und da liegen sie nun mal auf dem Fußboden und wir starren uns an und fallen in der nächsten Sekunde übereinander her, dass es eine helle Freude ist. Der Chor der Engelein da droben wird bis an die güldenen Haarwurzeln knallrot, so wie wir herum toben wie selten zuvor.
Ja, es ist irgendwie anders zwischen uns, keine Ahnung wie, ich mach ja keine wissenschaftliche Untersuchung beim Sex; gut anders jedenfalls. Danach sind wir beide butterweich und mein Liebster bringt die Weihnachtskoordinationssache noch aufs Tapet, während ich seine Brusthaare sortiere. Und wir klären das. Ganz entspannt. Schon komisch. Hätte ich mir nie gedacht, dass das funktioniert. Dass man die Reihenfolge Streiten-Versöhnen-dann Sex auch mal gut durcheinander würfeln kann. Wieso? Hm. Vielleicht, weil da, wo keine Harmonie ist automatisch Entfernung entsteht und aus der Entfernung besehen wird Vertrautes ein bisschen fremd, und das ist spannend und ja, erregend. Beim Krach also ab in die Kiste? Geht wohl nicht immer. Aber ein Versuch lohnt sich.
Dieser Text erschien in der monatlichen Kolumne von Petra Hauk in dem Magazin Wienerin.
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