Come on Aileen
{ March 10th, 2009 }
Irgendwann musste mir das ja passieren. Meine Nachbarin Aileen sitzt auf dem Trip-Trap-Sessel in meiner Küche und will wissen, wie viele Kalorien Sperma hat. Weil ich die Sexexpertin bin. Und solche Sachen quasi aus dem Handgelenk schüttle. Pfau. Ich könnt’ plärrn. Weil ich bis vor kurzem alleine in meiner Wohnung war. Alleine! Mein Liebster und meine Augensterne, von small bis x-large, – alle auf einmal ausgeflogen! Der Serotoninrausch war kaum zu ertragen. Vor lauter Glück rannte ich ein paar Runden, gab Staubteilchen Namen und grölte I will survive.
Gerade als ich bei der Zeile …so go now, go!!! war, läutete es. Enter Aileen, exit Alleinsein. „Ich hab vorhin gesehen, dass deine Family abgedampft ist“, sagte sie mit Robbenbaby-Augen, „und ich hab ein mega Problem. Ich weiß, wenn mir wer helfen kann, dann du.“ Ach bitte. Nicht die Nummer. Aber, was soll’s. Nennen Sie mich Florence Nightingale. In fünzig Jahren hab ich sicher wieder mal Zeit für mich. Kein Problem. Komm nur rein.
Worum es geht? Na, um Mikey, ihren Freund. Der eigentlich Franz heißt. Aber erstens heißen nur Kanaillen Franz und zweitens stöhnt es sich „Oooh, Mikey, jaaa, mhh,…“ irgendwie gschmeidiger, findet Aileen. Aber dazu hat sie kaum noch Gelegenheit. Denn Mikey, der offenbar grundlos mit der Autonummer Mike 69 herumfährt, will nicht so oft wie Aileen will. Und wenn er mal will, dann fällt ihm sein bestes Stück zusammen. Und deshalb ist sie bei mir. Damit ich’s wieder gut mache. Tschuldige – bin ich Zürich Kosmos, oder was? Es ist noch nicht mal Mittagsjournal-Zeit, aber ohne ein wirklich schickes Getränk steh’ ich das nicht durch. Also Aperol.
„Vielleicht liegt es ja an mir…“, sagt Aileen nach der zweiten Runde Drinks und zieht ihr T-Shirt wie eine Jalousie nach oben. Kreisch – Titten ohne BH!, das gehört verboten, so perfekt wie die sind. „Schau nur“, sagt sie und ich kann eh nicht anders, „mein Busen ist so klein und ich weiß, dass er auf große Möpse steht, im Grunde bin ich gar nicht sein Typ!“ Come on Aileen! Da sitzt ein perfekter Genpool und mäkelt an sich herum – ist da zu fassen! Die Frau hat Beine so lang, dass ich drunter durchlaufen kann ohne mich zu bücken, und sogar in dottergelben Kleidern sieht sie nicht wie Calimero sondern rattenscharf aus.
Wäre Aileen nicht so nett, müsste ich ihr was Schlimmes antun. Zum Beispiel die Bürgschaft aufsagen. Einige Aperol später sind wir bei dem, was sie für den Kern des Problems hält. „Es ist sicher meine Schuld, weil, im Grunde hasse ich blasen. Aber die Kerle stehen nun mal drauf, wem erzähl ich das, harhar!“ Jaja, bei meinen ersten tausend war’s jedenfalls so. „Immer krieg ich ein Schamhaar in den Rachen, dann würg ich herum, versuch’s rauszuholen und platsch, ist sein Ding Gummi… ich kann doch nicht sagen, rasier dir die Eier!“ Meinen Vorschlag: rasier dir die Eier, bitte, übergeht sie. „Sag mal,“ jetzt fängt sie zu kichern an, „wie viele Kalorien hat Sperma eigentlich?“ „Naja, kommt auf die Ladung an,“ sage ich smart, „und wenn du Trennkost machst, ist Eiweiß am Abend natürlich Gift.“
Wir lachen ein paar Runden, ich zeige ihr geile Videos von Blowjobs ohne Schamhaare auf redtube und lösen keines ihrer Probleme. Halt, falsch. Dank Web wissen wir jetzt: ein Schluck Sperma hat fünf Kalorien.
Dieser Text erschien in der monatlichen Kolumne von Petra Hauk in dem Magazin Wienerin.
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