Smokey Eyes
{ February 28th, 2009 }
Schuld ist das neue Jahr. Ich miste mein Schminkzeug aus, wegen Ballast loswerden und so. Eine Prise Feng shui kann ja nicht schaden. Hui, das Kügelchenglitzer-Puder. War so teuer, dass ich es nur zu speziellen Anlässen verwenden wollte. Etwa, wenn mal die Queen vorbeikommen sollte. Jetzt mieft es, und das kann die Queen sicher nicht leiden. Weg damit. Eine Schande ist das schon, denk ich mir, ich könnte den Life-Ball ausstatten und wann mache ich mal auf große Gala? Nie. Das muss sich ändern. Und zwar genau jetzt. Ich werde mir ein ultra-verführerisches Make-up verpassen, ultra-verführerische Sachen anziehen und meinen Liebsten damit ultra aus dem Schlapfen hauen.
Was male ich mir? Smokey eyes natürlich, rrrr! Nichts ist sinnlicher, finde ich. Und juhu, in den Bleistiftrock passe ich noch hinein! Und das nach Weihnachten! Was sagt der Spiegel? Heißer Feger, sagt er. Hehe. Die doppelten Gelpolstereinlagen im BH zurecht schieben, die halterlosen Strümpfe in Form zupfen, fertig. Und die neuen Lackpumps! Passen perfekto. Ja, ich fühl mich richtig sexy. Hat zwar saulang gedauert, und nach den Yu-Gi-Oh-Karten am Boden bück ich mich sicher nicht, aber den ganzen Zinnober mache ich ja für den Liebsten.
Als der Liebste mich sieht, kriegt er Glubschaugen wie Peter Lorre in „Eine Stadt sucht einen Mörder“, und ja, die Kinnlade ist weit genug unten. Sehr schön, genauso wollt ich das. Was ich denn vorhabe, will er wissen, ob etwa die Queen zu Besuch käme. Das fände ich nun wirklich blöd, weil ich jetzt kein Kügelchenglitzer-Puder habe. Aber Schatzi, sage ich, ich wollte mich einfach mal aufbrezeln. Für mich, für dich, für uns beide! Der Liebste grinst breit und meint, wenn ich schon wie ein Geschenk ausschaue, müsste er mich ganz schnell auspacken und so bringen wir das Bett ordentlich durcheinander.
Nachher frage ihn, ob es ihn gefreut hat, mein Vamp-Styling. Er meint, ganz toll. Und Dita van Teese wäre das Mädchen mit den Schwefelhölzchen gegen mich. Aber. Mindestens genauso aufregend, nein eigentlich noch viel aufregender fände er mich in Worker-Hose und Tank-Shirt. Ohne Push-up, ach was, am besten ohne BH. Und, wenn ich es genau wissen wollte – und darum möchte ich doch gebeten haben! – String-Tangas wären schon eine feine Sache, aber längst nicht so toll wie Nickers, weil mein Po darin noch viel süßer wäre. Und High heels, keine Frage, nett, aber nicht so spannend wie flache Biker-Stiefel. Ja, und Smokey Eyes. Wenn er ganz ehrlich sein sollte – und auch darum möchte ich gebeten haben – eigentlich eher zum Fürchten. Der Sarg von Tut-ench-Amun würde ihm da spontan einfallen. Naja, jetzt fällt mir die Kinnlade herunter. Heißt das, sage ich leicht säuerlich, deine Komplimente sind gar nicht ehrlich gemeint? Was du schon wieder denkst, sagt der Liebste, natürlich sind sie das, weil: du gefällst dir dann selbst so gut und das finde ich extrem sexy. Hihi. Die uralt Regel: attraktiv bist du, wenn du dich selber wohl fühlst – die stimmt also wirklich, wer hätte das gedacht. Na gut, sage ich, zieh ich halt öfter Workerhosen an, ok? Ach was, lächelt der Liebste, am besten gefällst du mir sowieso ohne was an, und beißt mich so sanft ins Ohr, wie nur er das kann.
Dieser Text erschien in der monatlichen Kolumne von Petra Hauk in dem Magazin Wienerin.
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