Don’t try this at home

{ February 9th, 2009 }

Carlos ist mein bester Freund. Nicht nur, weil er aussieht wie Steve McQueen, sondern weil er große Dinge gelassen ausspricht. Neulich gab er mir eine DVD mit den Worten: „Schau dir den mal an. Ein Porno. Für Frauen!“ Aha. Wie war das zu verstehen? Eine Stunde Vorspiel und kurz vor dem Orgasmus schreit das Kind im Nebenzimmer?  Sofort spürte ich den Actimel-Effekt: meine Abwehrkräfte waren gestärkt. Denn Pornos – die fand ich einfach zum Speiben langweilig. „Danke, super!“, sagte ich trotzdem, weil ich zu feig war abzulehnen. Aber Feigheit, so dachte ich, hat auch sein Gutes, denn ein Frauenporno schreit ja förmlich nach einem Mädelsabend. Und zwar mit meiner Freundin Ildiko. Ich stellte mir ein Event wie in der Celebrationswerbung vor: Ildiko und ich stecken die Köpfe über 50.000 Kalorien zusammen und wenn die Hauptdarstellerin „du schüftiger Hengst“ sagt, kreischen wir wie die Hexen in King Lear. Vielleicht konnten wir von so einem Frauenporno noch was lernen. (Ildiko meinte: na sicher, harhar). Ich hatte ja keine Ahnung, dass mir der Umstand dass ich so ein Weichei bin und nie nein sagen kann, eine recht denkwürdige Erfahrung bescheren würde.

Aufgeregt wie in der ersten Tanzstunde beim Elmayer (nur ohne Wimmerln), warfen wir bei ihr zu Hause den Player an. Beeindruckend schnell machte die Hauptdarstellerin einen eingesprungenen Rittberger ins Bett. Bravo! Wir nickten anerkennend. Dann wurde erwartungsgemäß ordentlich geseufzt und gestöhnt. Und? War ein Porno wie alle anderen. Doch halt! Das musste ein gallischer Porno sein, denn er begann erbittert Widerstand zu leisten, nämlich gegen sämtliche Klischees: ein und dasselbe Pärchen trieb es den ganzen Film hindurch, die Heldin war vorne flach wie die kasachische Steppe, zwischen ihren Beinen wucherte Urwald pur und in den Bumspausen diskutierten die zwei Beziehungsprobleme. Aber anstatt diese bemerkenswerte Entwicklung ausführlich zu besprechen, waren wir Mädels so gut drauf wie Hannes Nedbal bei den Dancing Stars. Gar kein Gekreische wie in der Celebrationswerbung. Ganz still waren wir. Weil: irgendwie war es einfach komisch, mit der besten Freundin zusammen Leute beim Sex zu beobachten. Nicht, dass wir das nicht schon alles gekannt und ausführlich besprochen hätten – ach Gottchen, von hinten, von vorne, im Laufen, gefesselt,… jaja – was haben wir daaabei gelacht! Aber das hier? Gewöhnungsbedürftig. Die eindeutige Empfehlung Ihres Apothekers: Don’t try this at home.

Gerade flog der (brünette!) Pagenkopf zwischen den Beinen des Hauptdarstellers rhythmisch vor und zurück. „Stell dir vor, die hätte eine Zahnspange…“ sagte ich. Und plötzlich war alle Peinlichkeit weggeblasen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Ildiko begann zu kichern: „Oder einen Retainer. Schau – na, DABEI bleiben garantiert seine Haare drin hängen. Die Szene wo sie herumwürgt, haben sie hoffentlich rausgeschnitten!“ Bruhaha… endlich. Und dann ließen wir den Film links liegen und malten uns Hoppalas bei Sex-Filmen aus. „Willst du jetzt mal was richtig Geiles?“, Ildiko sah mich verschwörerisch an, griff unter den Couchtisch und zog eine Packung Snips hervor. Die Frau konnte Gedankenlesen! Wir knurpsten die ganze Packung leer. Natürlich war uns nachher schlecht, aber: so what! Lachen verbraucht ja zum Glück enorm viel Kalorien. Als ich Carlos das nächste Mal traf, fragte er: „Und, Film angeschaut? Habt ihr Spaß gehabt? Geile Sache oder?“ Yesss, my dear, wir hatten Spaß, denn es gibt nur wenige Dinge, die geiler als Snips sind.

Dieser Text erschien in der monatlichen Kolumne von Petra Hauk in dem Magazin Wienerin.

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Kategorie: Allgemeines ~ ~ Trackback

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