French manicure
{ May 24th, 2007 }
Es gibt ein großes Geheimnis in meinem Leben und es belastet mich schwer. Nun weiß ich endlich wie sich Frodo gefühlt hat, als er den Ring am Hals hatte. Er konnte mit niemandem darüber sprechen und musste es einfach tun. So geht es mir mit meinen Nägeln. Einmal in der Woche flüstern sie hämisch: Baby, eine french manicure ist wieder mal fällig, hehehe! Dann bekomme ich hektische rote Flecken, Magensausen und feine Schweißtröpfchen sammeln sich auf der Stirn. Denn french manicure und ich, wir sind nicht füreinander bestimmt.
Mit dem rosa, dem farblosen und dem weißen Farblack vor mir fühle ich mich regelmäßig wie ein Schimpanse, von dem man verlangt, dass er einen Monet malt. Wenn die weiße Linie – quasi das Aushängeschild der french manicure – mal zu dick oder zu dünn würde – pah, damit könnte ich gut leben. Aber in neun von zehn Versuchen entsteht bloß ein EKG mit Extrasystolen. Und ich weine.
Meine Freundin Astrid, eine Göttin auf diesem Gebiet, meint, so perfekt müsste es ja nicht sein, bloß gut genug, damit man einen weißen Strich erkennt. Was aber, my dear, wenn man sich ans Ende des Zimmers stellen muss, um zu erkennen, dass es überhaupt noch Finger sind?
Und bin ich dann endlich fertig, nach Stunden konzentrierter Linienzieherei, kann ich sicher sein, dass ich dringend auf’s Klo muss.
Demnächst kaufe ich mir im Baumarkt einen Kübel weißer Farbe und stecke einfach alle fünf Finger gleichzeitig hinein. Schlimmer kann das Ergebnis auch nicht sein.




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