Eltern geben uns, neben der unschätzbaren Möglichkeit den Berufsstand des Psychotherapeuten vor der Bedeutungslosigkeit zu bewahren, viele gute Ratschläge für das Leben mit: Bier auf Wein, das lasse sein; fummel nicht an Pickeln herum; bei Rot, da steh… – und nimm niemals, niemals etwas von fremden Menschen.
Während man die ersten drei Regeln irgendwo im Frontallappen abspeichert, wo sie unbenützt vor sich hindümpeln und auf einen Eintrag im Lexikon der Irrtümer warten, funktioniert die letzte als wäre man einer von Pawlow’s Laborhunden.
So und nicht anders kann ich es mir erklären, dass mich regelrechte Panik überfällt, wenn sich auf der Straße schwankende Gestalten mit Zetteln in der Hand nähern. Weiterlesen »
Kategorie: Allgemeines ~ Keine Kommentare
Ich habe eine Vision. Bald werden die Straßen unserer Stadt von Menschen mit Reisetrolleys bevölkert sein. Und diese praktischen Reisetrolleys, die ein wirklich schlauer Mensch erfunden haben muss, sind voller Clubkarten und Mitgliedsausweise, ohne die man nicht in den Genuss all der Vorzüge und Vorteile kommt, die die Ausweise mit sich bringen. Und wer dem Vorteil nicht hinterherjagt, den beisst der Nachteil in den Nacken.
Wer ohne Trolley unterwegs sein wird, vor dem werden sich schon die ganz Kleinen fürchten. Ängstlich zupfen sie an den Leggings ihrer Mütter herum, beginnen zu weinen und machen sich in die Hose. Ein Trolleyloser! Dann gibt’s wohl den Weihnachtsmann auch nicht, oder was?
Gut möglich, dass ich diesen Aufruhr verursachen werde. Weiterlesen »
Kategorie: Gisi Club ~ 1 Kommentar
Es gibt ein großes Geheimnis in meinem Leben und es belastet mich schwer. Nun weiß ich endlich wie sich Frodo gefühlt hat, als er den Ring am Hals hatte. Er konnte mit niemandem darüber sprechen und musste es einfach tun. So geht es mir mit meinen Nägeln. Einmal in der Woche flüstern sie hämisch: Baby, eine french manicure ist wieder mal fällig, hehehe! Dann bekomme ich hektische rote Flecken, Magensausen und feine Schweißtröpfchen sammeln sich auf der Stirn. Denn french manicure und ich, wir sind nicht füreinander bestimmt.
Mit dem rosa, dem farblosen und dem weißen Farblack vor mir fühle ich mich regelmäßig wie ein Schimpanse, von dem man verlangt, dass er einen Monet malt. Wenn die weiße Linie – quasi das Aushängeschild der french manicure – mal zu dick oder zu dünn würde – pah, damit könnte ich gut leben. Aber in neun von zehn Versuchen entsteht bloß ein EKG mit Extrasystolen. Und ich weine. Weiterlesen »
Kategorie: Freundin ~ Keine Kommentare
Ein Telefon kann Leben retten. Niemand weiß das besser als ich. Wie viele Menschen hätte ich schon erwürgt, wenn ich nicht täglich mit meiner Freundin Roswitha telefonieren könnte: Mitarbeiter der Sozialversicherung, die mir Bettelbriefe schicken, die Verkäuferin in der Parfümerie, die mich auf vierzig schätzt, obwohl ich vierzig bin oder den Erfinder des Hungers, der mich täglich dazu zwingt, tonnenweise Nahrung für meine Familie heranzuschleppen – ein Vorgang, der meine zarte Gestalt in unvorstellbarem Ausmaß davon abhält, endlich George Clooney über den Weg zu laufen.
“Das mit Clooney”, seufzen wir uns gegenseitig in unsere formschönen Ohren, “das wird nie was. Und jetzt noch viel weniger, wo er so abgenommen hat.” Weiterlesen »
Kategorie: Freundin ~ 2 Kommentare
Hin und wieder wird man den Gedanken nicht los, dass Kinder – sagen wir unter zehn – zu einer Spezialeinheit der CIA gehören. Oder des Secret Service. Oder des MI5. Das lässt sich einfach nicht genau feststellen, weil ‘Kinder-sind-Geheimagenten’ die einzige Sache der Welt ist, die den Namen top secret wirklich verdient.
Ihr Ziel? Die Gehirne ihrer Eltern zu Mus zu machen. Zu diesem Zweck werden sie in spezial Units unter dem Decknamen “Kindergarten” einem beinharten Training unterzogen. Die Ergebnisse sind beeindruckend: mit der regelmäßigen Penetranz eines von einer Atomuhr betriebenen tropfenden Wasserhahns stolpern unablässig, unaufhörlich Fragen aus ihren kleinen Mündern, die codierte Botschaften enthalten – allein, man vermag sie nicht zu entziffern. Weiterlesen »
Kategorie: Kinder ~ Keine Kommentare
Kinder brauchen Bücher. Oder zumindest Märchen. Das sage nicht ich, das sagt Bruno Bettelheim. Und der wusste, wovon er sprach. (Hach, die gute alte Zeit!)
Weil Kinder zuviel fernsehen. Und fernsehen, das ist wissenschaftlich erwiesen, macht Juice aus kleinen Gehirnen. Nervenbahnen, die eben noch dabei waren sich beim Legospielen auftragsgemäß zu verzweigen, stürzen wie bei einem Kneippguß empört durcheinander, und was eben noch ein schönes Apfelmännchen hätte werden können, ist grauer Matsch. Soo dicht am Nobelpreisträger, jetzt auf unserer Showbühne.
Eltern haben es in der Hand. Weiterlesen »
Kategorie: Kinder ~ 1 Kommentar